ZUP /
2011

HD Video, single channel, 16:9, colour, sound,
19 min 8 sec, French, German subtitles
Text EN / DE

The video “ZUP” (2011) relates to the work “chez eux” which was created in 2007. Back then, Lena Maria Thüring, over a period of several months, spent time with a group of hip hoppers in Mulhouse and involved herself with their identity formation and the influence music and media play in it. For the present work she renewed those contacts. We see adults, adolescents and children. Their clothes take up various fashion styles and combine seemingly unconnected elements like a kaffiyeh with Burberry coats and baseball caps. In their poses and gestures they demonstrate dangerousness, by which they consciously accommodate a stereotyped public image   –  along the lines of “You think I’m dangerous, so I’ll show you how dangerous I am.” They find their own piece of defiant garden in their music.
The video portraits show people who are confronted with violence in different ways, who fight with the discrepancies between their self-perception and the perception of others, who are aware of the incompatibility between individual wishes and collective compulsion and who are used to choosing between admitting individuality and giving preference to anonymity. At first sight, the videos appear to be documentaries … But the artist also includes fictitious elements by staging the visually apparent, which either insists on exclusively concentrating on one detail, or even fading out the person who’s speaking, or showing the portrayed from certain set-up angles. By doing this, she plays with the staging of closeness and distance, which is fitted individually to the portrayed person and their stories. Thüring’s sensitive handling of complex topics and individual narratives has by now become one of her key hallmarks.

Sabine Schaschl, Kunsthaus Baselland, Switzerland

Das Video “ZUP” (2011) geht auf die 2007 entstandene Arbeit “chez eux” zurück. Lena Maria Thüring hat dafür über mehrere Monate hinweg mit Hip Hoppern aus Mulhouse Kontakte gepflegt und sich mit ihrer Identitätsbildung und dem Einfluss von Musik und Medien beschäftigt. Für die aktuelle Arbeit ist sie erneut mit der Gruppe in Kontakt getreten. Wir sehen Erwachsene, Adoleszente und Kinder. Ihre Kleidung greift verschiedene Modestile auf und verbindet scheinbar Unzusammengehöriges wie ein Palästinensertuch mit Burberry-Jacken und Baseballkappen. In ihren Posen und Gesten wird Gefährlichkeit suggeriert, womit sie einer klischierten Aussenwahrnehmung bewusst Rechnung zollen – frei nach dem Motto: “Du denkst, ich bin gefährlich, also zeige ich dir, wie gefährlich ich bin.” Mit ihrer Musik finden sie ihr Stück Defiant Garden.
Die Videoporträts schildern Menschen, die alle auf verschiedene Art und Weise mit Gewalt konfrontiert sind, die mit den Unterschieden zwischen Fremd – und Selbstwahrnehmung kämpfen, sich der häufigen Unvereinbarkeit von individuellen Wünschen und kollektivem Zwang bewusst sind und die gewohnt sind, zwischen dem Zulassen von Persönlichem oder dem Vorzug von Anonymität zu wählen. Der Stil der Videoarbeiten wirkt auf den ersten Blick dokumentarisch. Mit der Inszenierung des visuell Sichtbaren, das entweder auf der alleinigen Konzentration eines Details besteht oder den Sprechenden sogar ausblendet oder die Porträtierten aus bestimmten inszenatorischen Blickwinkeln zeigt, bringt die Künstlerin auch Fiktives ein. Sie spielt dabei mit der Inszenierung von Nähe und Distanz, welche entsprechend dem jeweils Porträtierten und seinen Geschichten gewählt wird. Thürings sensibler Umgang mit komplexen Themen und individuellen Erzählungen ist mittlerweile zu einem ihrer wichtigsten Kennzeichen geworden.

Sabine Schaschl, Kunsthaus Baselland, Schweiz