Kreide fressen  /
2013

HD Video, 3 channel, 16:9, colour, sound,
20 min 38 sec, German, English subtitles
Text EN / DE

Kreide fressen
2013

The 3-channel video installation, “Kreide fressen” (2013), recounts a tale of childhood sexual molestation, told from the perspective of three young men, many years later.
As they struggle to remember the details of their experiences as young boys, it becomes rapidly apparent that there is a palpably constructed element to narrative. In fact, the script is a consolidated and adapted text based on the real interviews Thüring conducted with a number of young men  –  all of whom had been abused by their teacher as boys. Additionally removing these accounts from their reallife origins, Thüring cast three actors to read her text, together, into three synchronized cameras.
There is something tenuous and thrilling about the actors’ relationship with both the material they speak and the cameras that watch them do it. While the story refuses to become any less true, the filters Thüring has applied to the narrative highlight its inevitable subjectivity, and moreover identify the very formulation of memories  –  all memories  –  as ultimately about the very fluid distinction between memories and the experience itself.

Scott Cameron Weaver, Museum für Gegenwartskunst, Basel, Switzerland

Kreide fressen
2013

Die Dreikanal-Videoinstallation “Kreide fressen” (2013) erzählt aus der Perspektive von drei jungen Männern die Geschichte eines viele Jahre zurückliegenden Kindesmissbrauchs nach.
Während sie darum ringen, sich an die Einzelheiten ihrer Kindheitserfahrungen zu erinnern, wird schnell offenkundig, dass Erzählen immer auch etwas merklich Konstruiertes ist. Tatsächlich ist das Drehbuch ein verdichteter und bearbeiteter Text, der auf realen Interviews beruht, die Thüring mit jungen Männern führte, die in der Kindheit von ihrem Lehrer missbraucht wurden. Thüring schuf eine zusätzliche Distanz zu den Ursprüngen dieser Geschichten im realen Leben, indem sie ihren Text von drei Schauspielern gemeinsam in drei synchronisierte Kameras sprechen lässt.
Die Beziehung der Schauspieler zu dem Textmaterial, das sie sprechen, und den Kameras, die ihnen dabei zusehen, ist unsicher und spannend. Obwohl die Geschichte deswegen nicht weniger wahr wird, weisen die von Thüring eingesetzten Filter auf ihre unvermeidliche Subjektivität hin; darüber hinaus zeigt sie, dass es beim Formulieren von Erinnerungen letztlich um die sehr fliessenden Übergänge zwischen den Erinnerungen und der Erfahrung als solcher geht.

Scott Cameron Weaver, Museum für Gegenwartskunst, Basel, Schweiz